Die Trendstudie wird als Projekt koordiniert am innokomm Forschungszentrum Wissenschafts- und Innovationskommunikation.

Einordnung:

Während in der Öffentlichkeit die Kenntnisse über wissenschaftliche Themen seit Jahrzehnten zunehmen, scheint das gesellschaftliche Interesse an Wissenschaft im gleichen Maß zurückzugehen. Das hat die Wissenschaftskommunikation beherzigt und sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder neu erfunden. Vom Versuch der "Aufklärung" der Bevölkerung seit den 50ern über die Überzeugungsarbeit von PUSH [Public Understanding of Science (and Humanities)] in den 80ern, dann die Angst vor Fachkräftemangel und die lauter werdende Forderung nach Transparenz und wirtschaftlicher Verwertbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse bis zum vermeintlich vertrauensbildenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in den 90ern -- ständig haben sich Selbstverständnis und Anforderungen an die Wissenschaftskommunikation gewandelt.

Ähnlich erging es der Innovationskommunikation, die vor langer Zeit mit unverständlichen Bedienungsanleitungen startete, dann aber zusehends lernte, potenziellen Kunden den Nutzwert neuer Technologien zu vermitteln und schließlich sogar den Markt für neue Geschäftsmodelle rechtzeitig „vorzubereiten". Heute allerdings reicht auch das bei weitem nicht mehr aus. Fehlt einer Innovation der Anschluss an die gesellschaftlich relevanten Themen und Bezugsrahmen, ist sie schon vor der Markteinführung zum Scheitern verurteilt. Außerdem vollzieht sich Innovation längst in einer interaktiven Wertschöpfung mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, Kunden und Anwendern, ja sogar Mitbewerbern. Auch hierauf haben Kommunikation und Marketing nur in den wenigsten Fällen Antworten parat.

Ein Paradigmenwechsel sowohl für die Wissenschaftskommunikation als auch für das Innovationsmarketing vollzieht sich gerade im Zuge von "Social Media", auch wenn die Skepsis groß ist gegenüber einer scheinbar auf 140 Zeichen reduzierten Wissenschaft.

Die 2009 initiierte Studie geht der Frage nach, wie in der Bevölkerung Vertrauen und Veränderungsbereitschaft gegenüber neuen Technologien auch im aktuellen Medienwandel bewerkstelligt werden können. Müssen wir vielleicht künftig mehr "verführen" als "informieren"? Oder ist das für die Wissenschaft etwa nicht statthaft? Wie erreichen wir einen breiten gesellschaftlichen Wissenschafts-Dialog, der die Öffentlichkeit schon in frühen Phasen mit einbezieht? Wenn der Schlüssel zum Verständnis von "Wissenschaft" und "Innovation" darin liegt, deren Prozesse zu verstehen und nicht etwa nur deren Ergebnisse, was kann oder muss dann die Kommunikation wirklich leisten?